Mit Wabi-Sabi-Chic gegen Altbauexorzismus
Mit Wabi-Sabi-Chic gegen Altbauexorzismus

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Mit Wabi-Sabi-Chic gegen Altbauexorzismus

Umgeben von Seen und Feldern liegt im hohen Norden Deutschlands im Dorf Prebberede eine ganz besondere Ansammlung historischer Anwesen. Dank einer dänischen Gräfin, ihres deutschen Ehemannes und eines vielseitig begabten Freundeskreises bekamen die kürzlich erworbenen Herrenhäuser wieder eine neue Identität. Die Gastgeber Christina und Knut glauben fest an die Schönheit des Unvollkommenen und haben sich bei der Sanierung ihres Gutshauses und des nahe gelegenen alten Schulhauses von der japanischen Philosophie „Wabi-Sabi“ leiten lassen. 

„Wabi-Sabi ist ein japanisches Konzept, das eng mit dem Zen-Buddhismus verbunden ist. Wenn jemand eine Narbe oder Schramme hat, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass er etwas erlebt hat. Wenn eine Tasse einen Sprung hat, ist sie dadurch nicht hässlicher oder weniger wert, sondern erzählt ihre eigene Geschichte. Es geht um die „Perfektion der Unvollkommenheit”. Diese Sichtweise ist grundverschieden von unserem westlichen Schönheitsbegriff“, erklären Christina und Knut, die das Herrenhaus 2001 für den Preis eines Kleinwagens ersteigerten. Als Knut das Anwesen kaufte, lebten er und Christina noch in Kopenhagen. Damals war das Haus zwar in einem sehr schlechten Zustand, aber die beiden erkannten Charme und Potential.

„Es war in einem desolaten Zustand. Das Abflusssystem funktionierte nicht und das Wasser stand im ganzen Haus. Wir pendelten monatelang zwischen Kopenhagen und dem Gutshaus, um das Haus am Wochenende zu renovieren. Aber wir haben es von Anfang an geliebt“, sagt Christina über den Renovierungsprozess.

Obwohl das Herrenhaus einer Grundsanierung bedurfte, wollte das Paar seinen rustikalen Charme, der ausschlaggebend für den Kauf des Hauses war, nicht zerstören. Knut erklärt seine Herangehensweise: „Viele Menschen reißen einen Ort wie diesen nieder oder restaurieren ihn fernab seines eigentlichen Charakters. Alles muss geradlinig sein, alles muss perfekt aussehen und Gegenstände dürfen keine Gebrauchsspuren haben. Ich nenne es Altbauexorzismus    und das ist wirklich nicht unser Stil.“   Stattdessen bevorzugten Knut und Christina minimale Eingriffe, die sorgfältige Auswahl historischer Möbel und eine traditionelle Farbgebung vorsah: 

Farben  sind  wichtig. Viele Menschen  streichen  ihre  Wände weiß,  aber  wir  halten  uns  an  dunklere  Farben, um dem Stil des Hauses  treu  zu  bleiben. Wir  versuchen  das Gebäude  zu  lesen,  zu  sehen,  wie  es  gebaut  wurde  und   uns    an das  Haus  anzupassen,  nicht  umgekehrt. Wir  gehen  auf  Flohmärkte, Auktionen und  suchen  online  nach  authentischen,  historischen  Möbeln und Geschirr –  wir sammeln auch leidenschaftlich gerne ungleiche  Geweihe.

Christina und Knut, Gastgeber auf Airbnb
Knut erklärt, dass er für das Schulhaus aus dem 19. Jahrhundert, welches nur einen Steinwurf vom alten Gutshaus entfernt liegt, einen anderen Renovierungsansatz gewählt hat: „Wir haben tatsächlich zwei unterschiedliche Stile: In dem Herrenhaus gibt es Elemente von Wabi-Sabi, aber es ist eher die norddeutsche Spätbarock-Optik. Es ist ein „used-look”, nicht übermäßig restauriert –  es soll sich bewohnt anfühlen. Unseren Stil für die alte Schule nebenan nennen wir einen norddeutschen Wabi-Sabi-Mix.” Im Schulhaus zeigt sich der Wabi-Sabi-Stil in vielen Farbschichten an den Wänden, dem alten Waschzuber und den charakteristischen Kachelöfen.

Dieser minimalistische Wohnstil, gibt Knut zu, mag für den Alltag nicht immer praktikabel sein, aber er ist perfekt für Leute, die eine vorübergehende Flucht aus der modernen Welt suchen: „Man vergisst schnell, dass Urlauber sich vielleicht gerade eine Unterkunft wünschen, die anders ist als ihr Zuhause. Wir sind in der Mitte vom Nirgendwo. In der Nähe des Dorfes gibt es schöne Seen, aber es ist nicht wirklich auf dem Radar von Reisenden. Unsere Gäste kommen nicht unbedingt wegen der Lage, sondern weil sie diesen ungewöhnlichen Ort erleben und uns kennenlernen möchten. Wir hätten nicht vorhersehen können, dass es so erfolgreich sein würde!“ so Knut. Jüngst veröffentlichte Daten von Airbnb unterstützen Knut’s Theorie: die Mehrheit der Gäste entscheidet sich tatsächlich für eine Unterkunft auf Airbnb, weil sie wie Einheimische leben möchten.

Knut und Christina sind Teil einer eng verbundenen Gemeinschaft von Gastgebern mit historischen Häusern in der Gegend. Zu dieser Gemeinschaft gehört auch ihr Freund Philipp, der vor einigen Jahren Christina und Knut um Rat fragte, bevor er ein lokales Gutshaus kaufte und in welches er nun auch seinen Gästen auf Airbnb als Übernachtungsmöglichkeit anbietet. Ein weiterer Freund, Auke, restaurierte ein Pfarrhaus und ist ebenfalls aktiver Gastgeber auf der Plattform. Jede Woche veranstaltet diese Gruppe von Liebhabern historischer Häuser ein großes, hausgemachtes Abendessen, bei dem alles von historischer Architektur bis zur Wabi-Sabi-Weisheit diskutiert wird.

Fotorechte: © Laetitia Hamel/2018 Airbnb Inc.

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